Stadtmuseen: Gesellschaftliche relevante Orte für die Region

Unter dem Titel „Smart Cities – Smart Museums?“ tagten vom 25. bis 27. September rund 185 Vertreter von Stadtmuseen in ganz Deutschland aber auch aus Politik, Verwaltung und kulturnahen Unternehmen in Potsdam. Gastgeber und Organisatoren waren das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte und die Kulturstiftung des Bundes. Die Tagung knüpft an das Programm „Stadtgefährten“ an, mit dem die Kulturstiftung insgesamt 38 Projekte von Stadtmuseen in deutschen Städten förderte.

Stadtmuseen – relevante Orte in Stadt oder Region

Die orts- und regionalgeschichtlich arbeitenden Museen pflegen und bewahren historische Zeugnisse und bieten zugleich ein Angebot zur Orientierung und zur Auseinandersetzung mit ihrer Stadt oder Region. Gerade in einer Zeit, in der die Herausforderungen durch Migration, Vertreibung und Integration die Frage nach Identität und Identitäten erneut aufwirft, können Museen Netzwerke knüpfen und Orte schaffen, in denen die Bürger*innen am Diskurs über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen teilnehmen und die Zukunft mitgestalten können. 

Smart Cities – Smart Museums?

Die Tagung Smart Cities – Smart Museums? beleuchtete die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Stadtmuseen agieren und sich (vielleicht auch neu) definieren müssen, von verschiedenen Seiten. Dabei ging es nicht nur, wie der Begriff „Smart Cities“ vermuten ließ, um digitale oder zumindest technische Lösungen sondern ebenso um smarte (im Sinne von: kluge) analoge Lösungen in einer immer digitaler werdenden Umgebung. 

 Für Stadtmuseen besteht die große Herausforderung, aber auch die Chance darin, für die Bürger*innen ihrer Stadt oder Region einen relevanten Ortzu schaffen, der Raum für Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs bietet. Stadtmuseen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen dem Pflegen und Bewahren der Sammlung, nicht nur im rein technischen oder konservatorischen Sinne sondern auch im Sinne einer an die historische Sammlung anknüpfende und auf die Geschichte ausgerichtete Ausstellungs- oder Themenpolitik einerseits, und einer thematischen Öffnung hin, die Geschichte nicht als abgeschlossen auffasst sondern als Prozess, der in die Gegenwart hineinwirkt und im Heute gestaltet wird. So verstanden können Stadtmuseen Raum für neue Fragestellungen und aktuelle Diskussionen schaffen, und der Stadtbürgerschaft einen Ort für Teilhabe an der historischen Entwicklung bieten. 

Stadtmuseen schaffen Räume in der Stadt

Die Tagung beleuchtete die Thematik von ganz unterschiedlichen Seiten. So wurde anknüpfend an das Konzept des „dritten Ortes“ von Ray Oldenburg die Frage aufgeworfen, ob bzw. ggf. wie Museen zu einem solchen dritten Ort neben Zuhause und Arbeitsplatz werden können. Das StadtPalais Stuttgart und das Historische Museum Frankfurt zum Beispiel präsentierten ganz unterschiedliche Lösungen für ein neues Verständnis oder Konzept des Museums als Ort und Raum in der Stadt: In Stuttgarrt öffnete das Museum seine Räume für Dritte, so z. B. mit Ausstellungen, Partys, Events rund um das Thema Hip-Hop. Frankfurt hingegen begab sich aus den Museumsräumen hinaus in die Stadt, um vor Ort mit den Bürger*innen die Themen der Stadtgesellschaft zu verhandeln. 

Museen brauchen Netzwerk-Partner

Ein anderer wichtiger Aspekt der Tagung, aber auch des Stadtgefährten-Projektes war die Einbindung von Projektpartnern und Netzwerken. Die Museen waren aufgefordert, sich für ihre Projekte Partner vor Ort zu suchen. Interessanterweise finden sich unter den Kooperationspartnern, die sich die Museen für ihre Stadtgefährten-Projekte suchten, Sportvereine, Bildungs- und Kulturzentren, Flüchtlingsinitiativen – aber so gut wie keine Unternehmen. 

Dieser Umstand erscheint vor allem deshalb interessant, weil die Schaffung einer „lebenswerten Region“ die Hauptmotivation für das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen ist. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der Corporate Citizenship-Survery (CC-Survey), die der Stifterverband in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung im Mai dieses Jahres veröffentlich hat. Läge hier nicht Potenzial für weitere interessante Kooperationen verborgen?

Im Anschluss an die Tagung „Smart Cities – Smart Museums?“ sollen zeitnah Videomitschnitte der Vorträge veröffentlicht werden. Mehr dazu auf der Seite: Stadtgefährten.

Mit den Ergebnissen des CC-Surveys, mit Umfang, Motivation und Schwerpunkten bürgerschaftlichen Engagements von deutschen Unternehmen, befasst sich der nächste Beitrag von Artfunders, der in Kürze veröffentlicht wird.

Den Organisatoren der Potsdamer Tagung, Dr. Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, und Carl Philip Nies, der als Projektleiter bei der Kulturstiftung des Bundes verantwortlich war, kann man zu dieser gelungenen Veranstaltung jedenfalls gratulieren.

 

 

Foto:  © 3plusx

 

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Astrid Schoenebeck